Werksbesichtigung im Hobby Wohnwagenwerk

Ich hatte die Gelegenheit an einer Werksbesichtigung im Hobby Wohnwagenwerk in Fockbek teilzunehmen. Dabei konnte ich mir die Produktion von Wohnwagen und Wohnmobile ansehen. Ich war vor allem gespannt auf die Unterschiede zur Produktion bei Capron, die wir uns im Frühjahr ansehen durften.

Hobby ist der weltgrößte Wohnwagenhersteller und produziert mit über 1.000 Mitarbeiter im Stammwerk bei Rendsburg ungefähr 12.000 Caravans und 1.800 Wohnmobile im Jahr. Im Schnitt verlässt alle 10 Minuten ein neuer Wohnwagen die Produktionshallen.

Das im Familienbesitz befindliche Unternehmen produziert einen Großteil der verwendeten Teile im Caravan und Wohnmobilbau selbst. Durch die Produktion des Fahrgestells für Caravans über die Aufbauten bis hin zur eigenen Näherei, eigenem Möbelbau und eigenem Metallbau kann das Unternehmen schnell auf neue Herausforderungen des Marktes reagieren.

Werksbesichtigung im Hobby Wohnwagenwerk

Die Produktion erfolgt wie in Branche üblich Just-in-Time. Die eigenen produzierten Teile werden genauso wie die Zukaufteile direkt an die Linie an die richtige Stelle zur richtigen Zeit bereitgestellt. Der innerbetriebliche Transport z.B. aus der Näherei erfolgt über Förderbänder bis hin zur richtigen Stelle in der richtigen Reihenfolge an die Produktionslinie.

Die Arbeitsplätze waren allesamt sehr sauber und wenn man es vielleicht nicht erwarten würde, gerade im Metallbau. Hier standen beeindruckende Maschinen zum Laserschneiden, Stanzen und Schweißen. Die Montageschritte sind gut durchdacht und klar strukturiert. Die Montage der Wohnwagen und der Wohnmobile findet organisatorisch getrennt in unterschiedlichen Hallen statt. Die Produktionsbereiche der entsprechenden Einzelteile im Hause sind jedoch identisch. Somit fließen die langjährigen Erfahrungen im Caravanbau auch in den Reisemobilbau hinein. Dies ist sicherlich auch eine Grund, warum die  Innenausstattungen der Wohnmobile bei Hobby immer sehr gefällig und ansprechend aussehen.

Bei der Montage wird immer eine bestimmte Anzahl von gleichen Modellen hintereinander eingesteuert und produziert. Somit werden die Lieferungen an die Linie und die Qualität der Produktion optimiert. Gleiche Modelle heißt aber nicht, dass alle Caravans und Wohnmobile identisch sind, hierfür liefert die Ausstattungsliste zu viele Variationen. Zubehör, welches erst nach der eigentlichen Produktion montiert werden kann, wie z.B. eine Satellitenanlage o.ä. wird getrennt nach der getakteten Linienmontage aufgerüstet. Die notwendigen Vorarbeiten finden jedoch schon in der Linienproduktion statt.

Die Konstruktion der Wände von Caravan und Wohnmobil entspricht dem bekannten Standard der Branche, d.h. Holz als leichter und stabiler Grundrahmen und Styropor als Dämmung in den Wänden und Dächern. Das wasserabweisende Styrodur wird an den Punkten an denen Feuchtigkeit eindringen könnte, z.B. bei den Be- und Entlüftungsöffnungen vom Kühlschrank eingesetzt. Die computerunterstützte Klebemontage im Sandwichverfahren und das anschließende Ausfräsen der Öffnungen für Fenster und Türen sorgen für genauestes Arbeiten.

Bei der Montage der Wohnmobile werden zunächst die Inneneinbauten, die Heizung und Elektrik montiert. Danach folgen die Seitenwände und der Rest des Innenausbaus, der mit der Seitenwand verbunden wird. Ganz zum Schluss wird das Dach und die Rückwand montiert. So steht während der Montage immer ein Maximum an Bewegungsfreiheit zur Verfügung.

Werksbesichtigung im Hobby Wohnwagenwerk

Hobby hält im Lager nahezu aller relevanten produzierten Teile der Wohnmobile und Caravan der letzten 10 Jahre vor. Das bedeutet, dass die Chance ein Holzdekor als Ersatzteil auch nach Jahren in der richtigen Maserung zu erhalten, durchaus gegeben ist. Ich finde dies sehr vorbildlich.

Die bei der Produktion anfallenden unbehandelten Holzreste werden zentral auf dem Gelände in einem modernen Ofen zum Beheizen für die Produktionshallen verwendet, auch sehr vorbildlich.

Für ganz harte Reparaturfälle betreibt Hobby auf dem Firmengelände eine eigene Reparaturwerkstatt. Hier kann ein Wohnmobilist immer über seinen Fachhändler bei Hobby sein Wohnmobil mit Originalteilen reparieren lassen. So werden die originalen Produkte und Kleinteile mit derselben Qualität wie bei der Produktion von den Hobbyreparaturexperten verwendet.

Hobby engagiert sich darüber hinaus auch für die Einführung des normierten BUS System, den CI Bus. Dieser wird zur Steuerung von Licht, Heizung, Klimaanlage aber auch Informationensaufbereitung über Ladegeräte und Frisch- und Abwassertanks verwendet. Mittels einer App auf dem Smartphone ist der Zugriff auf diese Wohnmobiltechnik heute schon möglich.

Mit einer möglichen Vernetzung dieses neuen CI Bus mit dem aus der Automobilbranche bekannten CAN Bus könnte ein auch Zugfahrzeug mit dem Caravan gekoppelt werden und Informationen austauschen. So könnte die Fahrstabilitätskontrolle ESP des Zugfahrzeuges einen schlingenden Wohnwagen durch automatischer Bremseingriff vollautomatisch stabilisieren. Weiterhin würde diese Vernetzung auch im Wohnmobilbereich die Sicherheit bei einem Unfall maßgeblich erhöhen. So könnten die aus dem Automobilbereich bekannten Gurtstraffer oder Airbags die Mitfahrer in der Aufbaukabine besser schützen sowie eine automatische Abschaltung der Gaszuführung nach einem Unfall einen deutlichen Sicherheitsgewinn für die Rettungskräfte mit sich bringen.

Es war rundum eine sehr interessante Werksbesichtigung, die ich jedem Camper ans Herz legen kann.

Alle Fotos unterliegen dem Copyright der Firma Hobby Wohnwagenwerk GmbH und dürfen im Sinne des Presserechts frei und unentgeltlich genutzt werden.

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