Der Mercedes Sprinter wird bei unserem Hymer Grand Canyon S Crossover ohne klassischen Innenspiegel ausgeliefert. Das ist zunächst auch kein großes Problem, denn durch den Ausbau des Kastenwagens ist die direkte Sicht nach hinten ohnehin stark eingeschränkt.
In unserem bisherigen Wohnmobil war zwar noch ein normaler Rückspiegel vorhanden, wirklich nach hinten sehen konnte man damit aber ebenfalls nicht. Praktisch war er eigentlich nur, um während der Fahrt einen Blick auf die Passagiere auf der Rücksitzbank werfen zu können. Gerade wenn Kinder mitfahren, ist das durchaus hilfreich.
Diesen Spiegel hatten wir damals durch einen digitalen Rückspiegel mit integrierter Dashcam und zusätzlicher Rückfahrkamera ergänzt. Dadurch hatten wir während der Fahrt permanent das Geschehen hinter dem Wohnmobil im Blick. Besonders im dichten Verkehr, beim Spurwechsel oder bei beginnendem Stau fanden wir diese Funktion sehr angenehm.
Genau diese Möglichkeit wollten wir auch in unserem Grand Canyon S wieder haben – diesmal allerdings etwas konsequenter umgesetzt: eine Dashcam, die nach vorne und hinten aufzeichnet, eine zusätzliche Innenraumkamera und gleichzeitig ein permanentes Kamerabild des rückwärtigen Verkehrs als virtueller Rückspiegel.
Die Kamera
Entschieden haben wir uns für die WOLFBOX G900TriPro*, eine 3-Kanal-Dashcam mit 12-Zoll-Touchscreen im Rückspiegelformat.
Die technischen Daten sind für diesen Einsatzzweck ziemlich interessant: Die Frontkamera arbeitet mit einem Sony Sensor und zeichnet in nativem 4K auf. Die rückwärtige Kamera liefert eine Auflösung von 2,5K. Hinzu kommt bei unserer Variante eine 1080p-Innenraumkamera mit Infrarot-Unterstützung für Aufnahmen auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Front-, Heck- und Innenkamera können gleichzeitig aufzeichnen.
GPS ist ebenso integriert wie WLAN zur Verbindung mit der App. Aufnahmen lassen sich dadurch beispielsweise direkt auf das Smartphone übertragen.
Für uns mindestens genauso wichtig wie die reine Aufzeichnung ist aber der 12 Zoll große Touchscreen. Auf ihm kann während der Fahrt permanent das Bild der Heckkamera angezeigt werden. Damit übernimmt die G900TriPro praktisch die Funktion eines digitalen Innenspiegels – nur mit einem für unseren Kastenwagen wesentlich besseren Blick nach hinten.

Interessanterweise war bei unserem Sprinter trotz des fehlenden Innenspiegels die entsprechende Mercedes-Halterung bereits an der Frontscheibe vorhanden.
Damit ließ sich eine recht elegante Lösung realisieren. Einen passenden Adapter für die vorhandene Mercedes-Spiegelaufnahme haben wir über AliExpress und jetzt auch bei Amazon für etwa 30 Euro gefunden. Vergleichbare beziehungsweise augenscheinlich identische Halter wurden bei deutschen Anbietern teilweise für rund 80 Euro angeboten.
Eine kleine Anpassung war dennoch notwendig: Durch das Remis-Frontplissee benötigten wir zusätzlichen Abstand zur Windschutzscheibe. Deshalb haben wir eine Stahlhülse als Verlängerung für die eigentliche Halterung angefertigt und schwarz lackiert. Dadurch sitzt der digitale Spiegel weit genug von der Scheibe entfernt und das Frontplissee lässt sich weiterhin problemlos bedienen.
Eine Abdeckkappe für das obere Kameragehäuse des Sprinters mit einer Spiegelöffnung konnte ich dann beim freundlichen Mercedes Händler vor Ort kaufen.
Position und Montage der Heckkamera
Die zusätzliche Heckkamera der G900TriPro haben wir direkt unterhalb der serienmäßigen 360°-Kamera des Sprinters montiert. Damit sitzt sie relativ hoch und mittig am Fahrzeug und bietet einen guten Überblick über den rückwärtigen Verkehr.
Besonders wichtig war uns dabei eine saubere Installation, ohne eine zusätzliche Bohrung in die Karosserie einbringen zu müssen. Das Kabel der neuen Heckkamera wird deshalb zunächst über eine IP68-geschützte Kabeldurchführung* in das vorhandene Gehäuse der serienmäßigen Kamera geführt. Die Kabeldurchführung ist dabei bewusst nach unten ausgerichtet, sodass sie möglichst wenig direkt der Witterung und insbesondere eindringendem Wasser ausgesetzt ist.
Innerhalb des Gehäuses wird das Kabel anschließend durch die bereits vorhandene originale Kabeldurchführung beziehungsweise Karosseriebohrung ins Fahrzeuginnere geführt.
Damit war für die Montage der zusätzlichen Kamera kein neues Loch in der Karosserie erforderlich. Die vorhandene Durchführung konnte weiter genutzt werden und die zusätzliche äußere Kabeldurchführung ist IP68-geschützt. Für uns war das die sauberste Lösung, da die Karosserie unangetastet bleibt und sich die zusätzliche Kamera optisch unauffällig in den vorhandenen Kamerabereich integriert.
Der aufwendigste Teil: das Kabel zur Heckkamera
Die eigentliche Herausforderung war weniger die Montage des Spiegels als vielmehr der Kabelweg zur Kamera am Fahrzeugheck.
Das Kabel musste vom Bereich der Windschutzscheibe zunächst oben durch beziehungsweise entlang des Dachhimmels geführt werden. Von dort ging es am Sicherheitsgurt vorbei zu den Oberschränken der Dinette.
Anschließend wurde das Kabel hinter der Verkleidung des Badezimmers weitergeführt und schließlich über die hinteren Oberschränke bis zum Anschlussbereich der bereits ab Werk vorhandenen Rückfahrkamera gebracht.
Auf dem Papier hört sich dieser Kabelweg relativ einfach an. In der Praxis war das Durchführen an einigen Stellen allerdings ziemlich knifflig. Ohne geeigneten Einziehdraht beziehungsweise ein Einziehgestänge* wäre es kaum möglich gewesen, das Kabel sauber durch die vorhandenen Hohlräume und hinter den Verkleidungen hindurchzuführen.
Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Von der Verkabelung ist anschließend praktisch nichts mehr zu sehen.

Aufzeichnung auch beim geparkten Fahrzeug
Zusätzlich haben wir das passende Hardwire-Kit installiert. Damit wird die Dashcam nicht nur bei eingeschalteter Zündung mit Strom versorgt, sondern kann auch bei abgestelltem Fahrzeug mit einer 24-Stunden-Parküberwachung weiterarbeiten.
Für unseren Einsatz haben wir die Parküberwachung so konfiguriert, dass nach dem Ausschalten der Zündung für die nächsten 24 Stunden im Timelapse-Modus aufgezeichnet wird. Dabei beziehen wir auch die Innenraumkamera mit ein.
Das ist für uns gerade beim Camper interessant: Steht das Fahrzeug beispielsweise auf einem Parkplatz, werden nicht nur die Bereiche vor und hinter dem Fahrzeug erfasst, sondern auch der Innenraum überwacht.
Innenkamera oder Bumper-Kamera?
Eine weitere interessante Möglichkeit der Kamera möchten wir eventuell noch nutzen. Neben der von uns verwendeten Kabinen Version mit Innenraumkamera gibt es eine Bumper-Version*. Dabei wird anstelle der Innenraumkamera eine wasserdichte IP67-Kamera im Bereich der vorderen Stoßstange montiert.
Diese ermöglicht einen sehr tiefen Blick unmittelbar vor das Fahrzeug und kann insbesondere beim Offroad-Fahren hilfreich sein, um Steine, Gräben, Bordsteine und andere niedrige Hindernisse besser erkennen zu können.
Für unseren Grand Canyon S Crossover wäre das eine spannende Ergänzung. Gerade bei Geländefahrten oder auf schmalen und unübersichtlichen Wegen wäre eine Kamera hilfreich, die den ansonsten vom Fahrersitz aus nicht einsehbaren Bereich unmittelbar vor dem Fahrzeug sichtbar macht.
Unsere Überlegung ist daher, zusätzlich eine Bumper-Kamera vorne zu montieren und je nach Einsatzzweck zwischen beiden Kameras umzustecken. Bei Fahrten abseits befestigter Straßen könnte die Bumper-Kamera angeschlossen werden und den Bereich unmittelbar vor dem Sprinter sichtbar machen.
Im normalen Reisebetrieb und insbesondere beim Abstellen des Campers würden wir dagegen wieder die Innenraumkamera anschließen. Dann steht wieder die Überwachung des Fahrzeuginnenraums zur Verfügung und ergänzt Front- und Heckkamera als zusätzlicher Diebstahl- beziehungsweise Einbruchschutz.
Unser Fazit
Mit der G900TriPro haben wir gleich mehrere Funktionen in einem System zusammengefasst: digitaler Rückspiegel, Front-Dashcam, Heck-Dashcam, Innenraumüberwachung und 24-Stunden-Parküberwachung – und perspektivisch zusätzlich eine Front-Bumper-Kamera für Geländefahrten.
Vor allem den digitalen Rückspiegel möchten wir inzwischen nicht mehr missen. Gerade bei einem knapp sechs Meter langen Kastenwagen ist es sehr angenehm, während der Fahrt permanent sehen zu können, was unmittelbar hinter dem Fahrzeug passiert. Das gilt nicht nur beim Spurwechsel oder im dichten Verkehr. Besonders bei einem beginnenden Stau ist es hilfreich, den rückwärtigen Verkehr im Blick zu haben und frühzeitig erkennen zu können, ob die nachfolgenden Fahrzeuge ebenfalls abbremsen.
Der Einbau und insbesondere das Verlegen des langen Kabels zur Heckkamera waren der aufwendigste Teil des Projekts. Dafür ist die gesamte Verkabelung jetzt weitgehend unsichtbar, die bereits vorhandene Mercedes-Spiegelaufnahme konnte weiterverwendet werden und auch das Remis-Frontplissee bleibt trotz der zusätzlichen Technik vollständig nutzbar.

